Skurriler Einbruch im ACUD-Theater

Kurz vor Ende des Jahres zeichneten die Überwachungskameras des Berliner ACUD-Theaters eine ganz außergewöhnliche Vorstellung auf: Mitten in der Nacht schleicht sich ein Schauspieler in die Theaterräume und beginnt, dort Stück einzustudieren. Aber die Proben laufen nicht wie erhofft, und der Schauspieler ist am Ende seiner Kräfte. Doch da entfaltet sich die Magie des Theaters und verkehrt die Aussichtslosigkeit ins Verheißungsvolle. Aber seht es Euch am besten selbst an. Das ACUD-Theater hat die Aufzeichnungen an den Berliner Propheten weitergeleitet,  und wir haben sie für Euch etwas aufbereitet. Viel Spaß bei einer ungewöhnlichen Theateraufführung aus dem Lockdown.

Wie soll man das alles gerade aushalten? Diese Frage bewegt wahrscheinlich auch den Schauspieler zu seiner Tat. Die Theater, die seit 2. November geschlossen sind, stehen hier stellvertretend für den Kulturbetrieb und seit Mitte Dezember für nahezu das gesamte öffentliche Leben. Die Freude fehlt, aber der Alltag geht weiter. Der innere Konflikt entsteht dabei aus der Einsicht in die Notwendigkeit der Maßnahmen und den menschlichen Bedürfnissen, welchen die Maßnahmen entgegenstehen. Manche reagieren deshalb mit Verweigerung und bürden der Gemeinschaft den eigenen Konflikt auf.

Der Einbruch des Schauspielers hingegen, als Ermächtigung gegenüber dem Gesetz, ist hiervon klar abzugrenzen. Seine Tat ist weder eine Gefährdung noch eine Provokation. Vielmehr sucht er den Ort seiner Sehnsucht auf, um den Konflikt seines Inneren auszutragen. Wenn er schon alleine und ohne Publikum leben muss, will er wenigstens die Bühne spüren. Es ist ein Experiment, geplant und impulsiv zugleich, getrieben von Verlangen und Neugier, herauszufinden, wie die Glut der Kunst auch in der Pandemie am Leben erhalten werden kann.

Er scheitert, er triumphiert. Das Ergebnis: Utopie und niedergeschlagener Abgang. Die Deutung? Bleibt mysteriös, doch das Theater bleibt lebendig und wird reicher. Denn trotz geschlossener Türen bleibt das Wesentliche unberührt, kann sogar blühen und sich neu entfalten in der Veränderung. So erlebt es auch der Schauspieler, aus seiner Niederlage wird Vision, aus seiner Vision wird Aufruf, aus seinem Aufruf wird Utopie. Übrig bleibt nüchterne Realität.

Oder doch nicht? Was haltet Ihr vom Auftritt des Schauspielers? Und wie würdet Ihr ihn interpretieren? Schreibt uns gerne in den Kommentaren (*auf Youtube) was Ihr denkt und teilt das Video mit der Welt. Wir vom Berliner Propheten freuen uns auf einen anregenden Austausch und freuen uns auf bessere Zeiten. Bis dahin – bleibt gesund.

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